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Ein menschliches Haar ist etwa 70 Mikrometer dick. Manche Bauteile benötigen 10-mal engere Toleranzen — also rund 7 µm. Dieser Unterschied entscheidet oft, ob Lager ruhig laufen oder eine Implantathälfte richtig sitzt. Dieser Leitfaden erklärt, wie man Zeichnungsangaben liest: Plus/Minus, fit-Typen, wie Oberflächenfinish die effektive Toleranz verändert, eine Einführung in GD&T und wie man Messunsicherheit einschätzt.
1Toleranznotation: ±, bilateral und unilateral
± ist die häufigste Form. Ø20.00 ±0.02 bedeutet 19.98–20.02 mm. Bilateral erlaubt unterschiedliche positive und negative Werte; unilateral nur in einer Richtung. Klar geschriebene Grenzmaße (Limits) reduzieren Interpretationsfehler.
Plus-minus, bilateral und unilateral
Plus-minus ist schnell lesbar. Bilateral gibt mehr Freiheit, wenn die Fertigung auf beiden Seiten variiert. Unilateral nutzt man, wenn nur Materialabtrag möglich ist oder wenn nur eine Richtung kritisch ist.
Dezimalstellen und Messauflösung
Anzahl der Dezimalstellen sagt etwas über die erforderliche Messauflösung. Stimmen Sie das Messgerät auf die Zeichnung ab.
2Fits: Spiel, Übermaß und Übergang
Spiel (clearance), Übermaß (interference) und Übergang (transition) bestimmen das Zusammenfügen. ISO 286 liefert Tabellen mit toleranzbezogenen Codes (z. B. H7/g6).
ISO-Fitsystem und Auswahl
Mit ISO-Codes können Sie minimale und maximale Spiel-/Übermaßwerte aus Tabellen ablesen. Bei kritischen Baugruppen thermische Ausdehnung berücksichtigen.
Praxisbeispiele: Lager, Wellen, Presssitze
In Fahrzeugen sind häufig Spiel- oder Übergangspassungen für Wartbarkeit gefragt; Lager benötigen oft Übermaß auf der Welle. In der Luftfahrt sind Schrumpfsitze wegen hoher Festigkeit gebräuchlich.
3Oberflächenfinish und Rauheit
Oberflächen beeinflussen Kontakt, Dichtung und Funktion. Ra und Rz sind gebräuchliche Kennwerte. Rauhe Oberflächen verändern den wirklichen Spielraum zwischen Teilen.
Ra, Rz, Lay und Bedeutung
Ra ist einfach zu messen; Rz beschreibt Spitzen besser. Lay beschreibt die Oberflächenstruktur und beeinflusst Reibung und Dichtung.
Wie Finish Toleranzstapel beeinflusst
Bei Toleranzstapeln addieren sich Form- und Rauheitsfehler zur effektiven Variation. Kontaktpunkte sollten bei Stapelrechnungen berücksichtigt werden.
4GD&T Grundlagen
GD&T steuert Form, Orientierung und Lage gegenüber Datumsflächen. Das macht functional requirements expliziter als reine Größentoleranzen.
Häufige Symbole und Datums
Position, Planheit, Rechtwinkligkeit, Zentrizität und Profil sind typische Kontrollen. Datums (A, B, C) bilden die Referenz für Messungen.
Wann GD&T verwenden
Wenn Funktion von Lage oder Orientierung abhängt, ist GD&T sinnvoll. In Luftfahrt und Medizintechnik ist es weit verbreitet.
5Messunsicherheit und Praxis
Messresultate haben Unsicherheit aus Instrument, Kalibrierung, Umwelt und Bediener. Kombinierte Standardunsicherheit uc = sqrt(sum(u_i^2)). Erweitert mit k-Faktor ergibt sich die Vertrauensgrenze.
Unsicherheitsrechnung: kombiniert und erweitert
Für unabhängige Unsicherheiten u1,u2: uc = sqrt(u1^2 + u2^2). Erweitert U = k * uc; k ≈ 2 für ~95% Konfidenz.
Kalibrierung, Gage R&R und typische Fehler
Regelmäßige Kalibrierung verringert Unsicherheit. Gage R&R zeigt Wiederholbarkeit und Reproduzierbarkeit. Ein häufiger Fehler ist, ein Messgerät mit zu geringer Auflösung zu verwenden.
Toleranzen verbinden Design mit Fertigung. Lesen Sie Zeichnungen stets funktional: Wie wirken die Toleranzen in der Baugruppe? Nutzen Sie die Konverter für schnelle Umrechnungen und prüfen Sie Messunsicherheiten bei Abnahmen. Frühes Stapeln und Prüfen spart Zeit und verhindert teure Nacharbeit.


